12. Rettungsdienstsymposium in Hohenroda

Freitag, 16. November 2012

Zukunft des Rettungsdienstes

Wiesbaden, 16. November 2012. Das 12. Rettungsdienstsymposium des DRK Landesverbandes Hessen, anerkanntes Fachforum für den Rettungsdienst, bot auch in seinem zwölften Jahr wieder ein breites Themenspektrum: Unter dem Motto: „Rettungsdienst im Wandel – Veränderungen gestalten“ diskutierten 500 Teilnehmern aus ganz Deutschland gemeinsam mit Verantwortlichen im Rettungsdienst, Politikern, Ärzten sowie Vertretern von Krankenkassen und Verbänden unter anderem den Entwurf zum Notfallsanitätergesetz und die Zukunft des notarztgestützten Rettungsdienstes. Internationale Rettungsdienstexperten wie Dr. Laszlo Gorove aus Ungarn und Noriyoshi Ohashi aus Japan gaben Einblick in ihren Berufsalltag.

Entwurf des neuen Notfallsanitätergesetzes

Sozialminister Stefan Grüttner, Schirmherr des 12. Rettungsdienstsymposiums, sieht im Entwurf zum Notfallsanitätergesetz einen großen Schritt in die richtige Richtung. „Die dreijährige Ausbildung, der Wegfall der Eigenfinanzierung und die Einführung einer Ausbildungsvergütung sind grundlegend für ein vernünftiges und tragfähiges Gesetz für diesen verantwortungsvollen Beruf.“

Norbert Södler, Vizepräsident des DRK Landesverbandes Hessen, lobte, dass mit dem Anheben der Ausbildungsdauer auf drei Jahre einer Forderung nachgekommen werde, die das DRK seit vielen Jahren stellt. Nur so könne in Zukunft die Qualität der Ausbildung des nichtärztlichen Personals sichergestellt werden. Trotzdem gibt es zwei Punkte am neuen Notfallsanitätergesetz nachzubessern, so Södler: „Es fehlt weiterhin an einer deutschlandweiten einheitlichen Zuordnung von Kompetenzen beim nichtärztlichen Personal sowie an eindeutigen Regelungen zur Frage der Kosten von Qualifikation und Nachqualifikation von rettungsdienstlichem Personal. Hier muss dringend nachgearbeitet werden.“

Anerkennung des Rettungsdienstes als medizinische Leistung

Ein weiterer wichtiger Schritt sei, so Grüttner, die Anerkennung des Rettungsdienstes als medizinische Leistung nach SGB V. Rettungsdienstliche Leistungen seien schon lange keine reinen Transportdienste mehr und deshalb als Nebenleistung vollkommen unzureichend klassifiziert. Daher habe die Gesundheitsministerkonferenz auf Initiative Hessens und Baden-Württembergs eine entsprechende Bundesratsinitiative eingebracht.

„Der Rettungsdienst ist Teil des Gesundheitswesens und für die optimale Versorgung der Bevölkerung unerlässlich“, so Grüttner. „Lassen Sie mich daher meine Verbundenheit mit dem Rettungsdienst und seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zum Ausdruck bringen und mich für Ihre tägliche Arbeit bedanken! Lassen Sie bei der Gestaltung des Rettungsdienstes der Zukunft nicht locker! Die Menschen in Hessen brauchen Sie!“

(Not)Arztmangel und die zentrale Funktion der Leitstellen

Prof. Dr. med. Peter Sefrin, Bundesarzt des DRK, machte deutlich, dass die demografische Entwicklung auch vor der Ärzteschaft nicht Halt macht: „Wir haben keine Notarztmangel, aber einen Ärztemangel“, so Sefrin. Auch die Ärzte werden immer älter und immer weniger. Trotz des zu erwartenden Ärztemangels gibt es zu wenige Studienplätze, die Zahl der Abbrecher ist zu hoch, Arbeitsbedingungen und Image des Berufs sind schlecht. Die Zahl der Frauen unter den Medizinern steige, so Sefrin. „Mittlerweile sind 60 Prozent des ärztlichen Personals Frauen, die immer noch häufiger als ihre männlichen Kollegen ganz oder zeitweise aus familiären Gründen aus dem Beruf aussteigen.“ Wer im Beruf bleibt, versorgt in immer weniger Krankenhausbetten immer mehr Patienten mit immer kürzeren Liegezeiten. Dies führe zu einer Arbeitsbelastung der Krankenhausärzte und -ärztinnen, die keine Reserven für Notarzteinsätze mehr übrig lasse.

Zentrale Funktion der Leitstelle

Untersuchungen zeigen, dass Notärzte immer häufiger auch dann gerufen werden, wenn kein klassischer Notfall vorliegt. So sind die Einsätze mit psycho-sozialem Hintergrund ebenso gestiegen wie die Anspruchshaltung der Bevölkerung. Wo eigentlich der kassenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig ist, wird der Notarzt gerufen. Dies und die demographische Entwicklung, in deren Zuge die Bevölkerung immer älter wird und immer häufiger Notfallversorgung benötigt, führt zur steigenden Zahl von Notarzteinsätzen.

Einigkeit bestand bei den Experten darüber, dass dem Leitstellenpersonal eine wichtige Rolle zukommt, wenn der Rettungsdienst in Zukunft mit weniger Ärzten bei steigenden Einsatzzahlen bestehen will. Grundlegend ist hier eine bundesweite Qualifikation, die es dem Leitstellenpersonal ermöglicht, ganz klar zu entscheiden, ob ein Rettungsdiensteinsatz mit oder ohne Notarzt gefahren werden muss. Regierungsdirektor Wilhelm Schier, beim Hessischen Sozialministerium für die Belange des Rettungsdienstes zuständig, erklärte hierzu: „Wir werden über kurz oder lang ein eigenes Berufsbild der Leitstellenleitung brauchen!

Fazit der Veranstalter

„Im Moment erleben wir, was den Rettungsdienst angeht, eine sehr spannende Zeit, die von tiefgreifendem Wandel geprägt ist. Dieser Wandel muss von uns allen gemeinsam gestaltet werden“, so Manfred Stein, Landesleiter Rettungsdienst beim DRK Landesverband Hessen, und Günter Ohlig, Teamleiter Rettungsdienst beim DRK Landesverband Hessen, in ihrem gemeinsamen Fazit. „Das neue Notfallsanitätergesetz ist auf dem richtigen Weg.“ Beide wiesen noch einmal darauf hin, dass es sich beim vermeintlichen Notarztmangel um ein Verteilungsproblem handelt. Aufgabe für die Zukunft muss es sein, den Notarzt dahin zu bringen, wo er gebraucht wird. Dazu müsse man vor allem die Vernetzung mit der Kassenärztlichen Vereinigung optimieren. Außerdem sei es, so Stein, dringend notwendig, gemeinsam mit der Politik daran zu gehen, der steigenden Anspruchshaltung der Bevölkerung zu begegnen. „Außerdem müsse im Gesundheitswesen“, so Ohlig, „der ganzheitliche Ansatz das sektorale Denken ersetzten, damit wir insgesamt wirtschaftlicher und zukunftsfähig werden.“

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